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Hörwelt - Hearworld

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Mitwirkende

Ausbildung, Führerschein, Freunde und ausgehen


laramarco

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ja da geht sie dahin, die Schulzeit, 10 Jahre "Lotterleben" wie manche Eltern immer predigten sind vorbei, jetzt geht es ans arbeiten und Geld verdienen.

So startete ich wie so viele andere auch, direkt nach meinem Realschulabschluß in meine Ausbildung zum Bürokaufmann (ja wirklich Mann, damals wurde der Beruf noch nicht unterschieden).

Wie auch bereits in der Schule wurde auch der Ausbildungsbetrieb auf meine Hörschwäche hingewiesen. Jede Abteilung, die ich während der Ausbildungszeit durchlaufen mußte, wurde von der Ausbildungsabteilung dazu informiert, aber auch selbst ist man gefordert, denn nicht überall in jeder Abteilung gab der Abteilungsleiter die Info an alle Mitarbeiter weiter. So kam es dennoch manchmal zu Mißverständnissen, daß nicht jeder es wußte und mich dann auch telefonieren lassen wollte.

Das war dann auch schon der Zeitraum, wo ich des öfteren Probleme beim telefonieren bekam - bekannte Gesprächspartner mußten öfters wiederholen, unbekannte Gesprächspartner verstand ich immer weniger. Ich mied es zunehmend, ans Telefon zu gehen.

Auch in der Berufsschule mußte ich mich durchbeißen, sowohl was den Unterrichtsstoff angeht, als auch die Mitschüler und Lehrer. Ich hatte zumindest das Glück, daß wir den Großteil der Azubis aus einem Betrieb ausmachten, fast die Hälfte der Klasse arbeiteten ebenfalls dort wo ich auch war. Durch die innerbetrieblichen Schulungen vor den Prüfungen und den gemeinsamen Schulwegen hielten wir ja auch zusammen.

Die meisten kamen wie auch ich aus dem Weilburg-Weilmünsterer Raum, sodaß wir auch aufeinander angewiesen waren, was den Weg zur Berufsschule und zurück anging. Wir hatten ja alle noch keinen Führerschein und mußten irgendwie nach Bad Nauheim kommen.

Den Führerschein konnten wir auch erst mit 18 machen, durften aber dann gleich auch alleine fahren, den Führerschein mit 17 gab es ja damals noch nicht. Bei den Fahrstunden mußte natürlich der Fahrlehrer auch Rücksicht nehmen, Sprache vom Beifahrersitz mußte klar und deutlich gesprochen werden. Glaube so manches Mal mußte etwas wiederholt werden, oder ich bog anders ab wie der Fahrlehrer wollte, weil ich es akustisch nicht verstanden habe. Gottseidank hat das bei der Prüfung recht gut geklappt, habe gleich beim ersten Mal bestanden.

Jetzt konnte man sich "frei" bewegen, mußte nicht ständig zuhause anrufen, hol mich da ab, fahr mich da hin, jetzt konnte man dies selbst und ohne groß nachfragen. Das erhöhte damit auch wieder die "Freundeszahl", denn viele suchten einfach die Mitfahrgelegenheit und ansonsten wurde man "wenig gebraucht". Da ich mich lieber selbst und sicher nach Hause bringen wollte, ohne Alkohol, fuhr ich auch meist mit meinem Auto los.

Wenn ich jetzt rückwirkend betrachte, gab es während dieser Zeit wirklich einige "falsche" Freunde, die mich nur kannten, um ein Taxi zu haben. Nicht immer habe ich gleich beim ersten kennen lernen von neuen Freunden dann erzählt, daß ich nicht gut höre, teils aus Scham, teils aus Angst, wieder mal abgewiesen zu werden.

Manchmal ergab es sich nämlich auch, daß der Kontakt direkt abbrach, sobald man erwähnte, daß man Hörgeräteträger ist.

Das Sprichwort "Kinder können grausam sein" fing sozusagen an Wirklichkeit zu werden. Aus einem doch recht großen Bekanntenkreis, entwickelt sich dadurch ein recht kleiner echter Freundeskreis und dieser echte Freundeskreis hält auch bis heute noch an.

Leider existieren aus dieser Zeit keine Hörkurven mehr, mich ärgert das gerade jetzt extrem, denn jetzt hätte ich zu gerne die Vergleiche früher - vor OP - nach OP gemacht. Ich kann also nur aus Erinnerungen zehren und wenn man bedenkt, daß ich meine Ausbildung normal und ohne zusätzlichen Hilfen vorzeitig mit gutem Abschluß abschloß, in meiner Freizeit mit Freunden ausging und viel erlebte, ja mein Leben eigentlich nicht eingeschränkt ablief, so kann man es sich kaum vorstellen, daß das was jetzt im nächsten Post kommt, Grund für meine OP wird.

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